Freitag, 15. Januar 2016

Autoreninterview mit Alexandra Fischer

Hey meine Lieben, 

heute möchte ich euch eine ganz besondere Autorin vorstellen und zwar Alexandra Fischer. Ich durfte vor kurzem ihren neuen Roman "Der Traum vom Horizont" vorab lesen und zusätzlich auch noch ein Interview mit ihr führen. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle sehr herzlich bedanken.



Alexandra Fischer, Jahrgang 1974, schreibt bereits seit sie es kann. Aus den ersten Buchstaben wurden Wörter, aus den Wörtern Sätze und aus den Sätzen schließlich Geschichten. Unvollendete, denn in jungen Jahren fand sie es stets spannender eine Geschichte zu beginnen anstatt sie zu beenden. Inzwischen schafft sie aber auch das und recherchiert für ihre historischen Romane gerne stundenlang in alten Texten, um ihren Büchern die Authentizität zu verleihen, die sie verdienen.


Ihre schöpferische Kraft holt sie sich im schönen Bayern, wo sie gemeinsam mit ihrem Mann auf einem ehemaligen Bauernhof in einer Wohngemeinschaft mit Hund, Katzen, Kaninchen, Enten und Hühnern lebt. 



Das Interview:


Vielen lieben Dank Alexandra, dass du dir die Zeit für meine Fragen nimmst. 

1. Magst du vielleicht erst ein bisschen was zu dir erzählen?
Oh je, muss ich? Was soll ich da nur sagen? Ich bin eine teetrinkende Schreibbessesene, die auf dem Land lebt und einen halben Zoo in ihrem Haus und auf ihrem Grundstück beherbergt. 

2. Wie bist du eigentlich zum Schreiben gekommen, was war der Auslöser?
Da gab es eigentlich keinen Auslöser, zumindest keinen, der mir bewusst ist. Ich habe schon als Kind geschrieben. Ganz früher habe ich die Geschichten aufgemalt und später dann in Worte gefasst. Ich noch ganze Schulbücher voll von Geschichten zu hause rumliegen. Nicht immer zur Freude meiner Lehrer hatte ich schon von klein auf viel Fantasie. Eigentlich schreibe ich seit ich denken kann. Nur veröffentlicht habe ich erst sehr viel später. 

3. Hat sich dein Leseverhalten durch das Schreiben verändert?
Eigentlich erst in letzter Zeit. Als Jugendliche war ich eine totale Leseratte. Ich habe immer und überall gelesen. Seit ich professioneller schreibe, habe ich manchmal ein Zeitproblem. Neben Job und Familie muss man sich immer entscheiden ob man nun gemütlich liest oder was zu Papier bringt. Meistens fällt die Wahl dann auf das Schreiben, weil ich es einfach liebe. Außerdem bin ich durch meine historischen Romane gezwungen, viel zu recherchieren. Da hat man oft gar keine Lust mehr, sich abends nochmal ein Buch vorzunehmen. Leider muss ich sagen. Ich würde gerne wieder mehr lesen. 

4. Dein neuer Roman "Der Traum vom Horizont" spielt ja in Deutsch-Samoa rund um 1900. Wie sammelst du Ideen für deine Schauplätze, was inspiriert dich?
Ideen habe ich eigentlich andauernd, beim Musik hören oder beim Fernsehschauen oder im Urlaub. Entscheidend ist dann, wie sehr mich ein Thema packt, denn bei mir heisst es immer: ganz oder gar nicht. Wenn ich einen Schauplatz gefunden habe, der mich fasziniert, will ich so viel wie möglich darüber lernen. Da wird dann gegoogelt und nachgelesen bis zum Umfallen. Deutsch-Samoa hat mich deswegen neugierig gemacht, weil mir ehrlich gesagt nie wirklich bewusst war, dass Deutschland mal Kolonien in der Südsee hatte. Das war für mich ein sehr spannendes Motiv. Vor allem weil der Gouverneur von Samoa für die damalige Zeit sehr fortschrittlich gedacht und regiert hat.

5. Wo in und in welcher Atmosphäre schreibst du am liebsten deine Bücher?
Es soll ja Autoren geben, die an jedem Ort und zu jeder Tageszeit schreiben können. Das finde ich sehr bewundernswert, denn das kann ich leider gar nicht. Ich schreibe am liebsten (und vor allem effektivsten) in unserer Küche mit Blick auf die Wiesen und Felder. Da ist auch alles in greifbarer Nähe, was ich brauche. tee und was zu futtern. Wenn ich mal richtig im Schreiben drin bin, vergesse ich auch völlig die Zeit. Dann kann es passieren, dass drei Stunden rum sind und ich frage mich, ob jemand an der Uhr gedreht hat. Außerdem habe ich es gerne ruhig. Musik, vor allem von einer meiner Lieblingsbands, lenkt mich ziemlich ab. Da singe ich dann mit, kann mich irgendwann nicht mehr konzentrieren und springe am Ende auf, um zu tanzen.

6. Wie lange dauert der Prozess von der ersten Idee bis zur Fertigstellung eines Buches bei dir?
Oh, das kann ich so pauschal nicht sagen. Da ich ja Selfpublisherin bin setzt mir niemand außer ich mir selbst irgendwelche Fristen. Bei meinem ersten Roman "Joli Rouge" hat es so ein Jahr gedauert, dann kommt aber noch das Lektorat, die Überarbeitung und das Coverdesign hinzu...hm, vielleicht so anderthalb Jahre. So in etwa war das auch bei "Der Traum vom Horizont". Das sollte schneller gehen denke ich mir oft, aber wie gesagt, es gibt ja noch Job und Familie und da muss das schreiben dann bisweilen zurückstehen.

7. Gibt es bei deinem aktuellen Roman, einen Lieblingscharakter für dich oder eine Figur, mit der du dich vergleichen würdest, die dir ähnlich ist?
Das mit der Frage nach den Lieblingscharakteren ist ja immer ein bisschen so, als sollte man sagen, welches seiner Kinder man am liebsten hat. Das ist schwierig. Sie wachsen einem alle ans Herz, in dem aktuellen Roman sogar Karl, der Fiesling. Und weil jeder Autor ein wenig Gott spielt, wenn er seine Figuren erschafft, ist es auch so, dass mir keine der Figuren ähnelt. Jede hat ein wenig von mir und dann auch wieder gar nicht. Vielleicht wäre ich in der damaligen zeit eher wie Martha, gewesen, aber vielleicht wäre auch eine Helene aus mir geworden, wer weiß?

8. Hast du auch manchmal Schreibblockaden und wenn ja, wie gehst du damit um?
Ja, die habe ich. Meistens in der Mitte meiner Bücher. Bis dahin hat man im Optimalfall seine Charaktere, die Handlungsstränge miteinander verknüpft und den Plot in die richtige Richtung gebracht. Der Leser ist dann (hoffentlich) von der Geschichte in den Bann gezogen und jetzt muss man das Ganze auf das Finale hinführen. Da hänge ich dann oft und frage mich, ob ich den Leser mit gewissen Passagen nicht langweile. Ob  manche Dialoge nicht überflüssig sind und die Geschichte dadurch an Spannung verliert. Das ist dann der Moment, in dem gar nichts mehr geht. Da redet dann Kopf gegen Herz und andersrum und die Finger weigern sich, zu tippen. Diese Blockade überwinde ich meistens, indem ich die Geschichte für einige Tage weglege und versuchte, nicht mehr darüber nachzudenken. Wundersamer Weise löst das den Knoten in meinem Kopf. Grundsätzlich helfen auch lange Spaziergänge mit meinem Hund, um wieder in meinen Schreibfluss zu finden.

9. "Der Traum vom Horizont" hat mir viele schöne Lese-Momente beschert, kannst du das Buch in drei Wörtern beschreiben?
Puh, das ist mal eine schwierige Frage. Das geht nicht, fällt mir da jetzt spontan ein. Vielleicht: "Gesellschaftliche Zwänge überwinden". Das ist heute schon kompliziert und war damals quasi nicht möglich. Das wird ja auch allen meinen Figuren zum Verhängnis, weil sie alle etwas wollen, was in der Gesellschaft zu Anfang des 20. Jahrhunderts einfach nicht möglich war.

10. Abschließend, gibt es schon neue Projekte über die du uns ein wenig verraten kannst?
Dadurch, dass "Der Traum vom Horizont" gerade abgeschlossen und veröffentlicht wurde, habe ich noch keine konkreten Pläne für einen neuen historischen Roman im Kopf. Es gibt Ideen, aber das ist noch alles sehr vage und zu früh, um darüber zu sprechen. Aber ich habe ja dieses Jahr unter meinem Pseudonym Andie F. Andersson ein Jugendbuch veröffentlicht "Rockherz". Da schreibe ich gerade an der Fortsetzung, die "Rockleben" heissen wird und vermutlich Mitte 2016 erscheint. Ist jetzt natürlich etwas vollkommen anderes als das historische Genre, aber vielleicht fühle ich mich gerade deswegen so wohl damit. Manchmal muss man auch mal neue Wege gehen, um nicht irgendwann festzustecken. Doch natürlich wird es auch einen weiteren historischen Roman von mir geben, aber voraussichtlich erst 2017. 


Vielen Dank Alexandra, dass du dir für meine Leser und mich die Zeit genommen hast die Fragen zu beantworten!! :-)


Liebe Grüße
eure

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