Sonntag, 6. November 2016

[Buch vs. Film] Nebel im August




Hey meine Lieben, 

heute habe ich für euch meinen ersten Beitrag zu einer neuen Kategorie auf meinem Blog "Buch vs. Film". Vor kurzem habe ich in der Schule den Film "Nebel im August" besprochen und dann auch angesehen und mir privat im Nachhinein noch das Buch geholt und gelesen. Als eingefleischter Bücherwurm bin ich bei Buchverfilmungen meistens sehr skeptisch, aber hier wurde ich doch sehr positiv überrascht. 





Deutschland, 1933: Ernst Lossa stammt aus einer Familie von Jenischen, >>Zigeuner<<, wie man damals sagte. Er gilt als schwieriges Kind, wird von Heim zu Heim geschoben, bis er schließlich - obgleich völlig gesund - in die psychiatrische Anstalt Kaufbeuren eingewiesen wird. Hier nimmt sein Leben die letzte, schreckliche Wendung: In der Nacht zum 9. August 1944 bekommt er die Todesspritze verabreicht. Ernst Lossa wird mit dem Stempel >>asozialer Psychopath<< als >>unwertes Leben<< aus dem Weg geräumt. 


Im Film wird vorrangig die Zeit behandelt, in der Ernst in der psychiatrischen Anstalt Kaufbeuren und später Irsee eingewiesen wird. Im Vordergrund steht dabei das Euthanasieprogramm innerhalb der Anstalt und wie das Personal und auch die Patienten mit diesem umgegangen sind. Patienten, deren Leben man als "unwert" erachtete wurden zur damaligen Zeit entweder langsam über deine spezielle Diät getötet oder aber durch Spritzen oder Kinder auch mittels vergiftetem Himbeersaft den sie zum Einschlafen bekamen. Der Film, aber auch das Buch zeigen sehr schön auf, wie ein Teil des Personals versucht sich gegen diese grausamen Vorgänge zu wehren, während andere Angestellte voll und ganz von der Euthanasie überzeugt sind. 
Im Vergleich zum Film behandelt das Buch auch die Zeit bevor Ernst in die vielen Heime und später auch Anstalten eingewiesen wurde. Man lernt seine Familie und deren Herkunft und Probleme kennen. Zudem erfährt man im Buch sehr genau wieso Ernst überhaupt in Heime/Anstalten eingeliefert wurde, denn eigentlich ist er ja ein gesunder Junge. In seinen ersten Jahren ist er oft mit der Familie unterwegs, da sie Jenische also Zigeuner sind. Dies wird jedoch von den Beamten damals nicht gerne gesehen und wirft zudem einige Probleme mit den Behörden auf. Daher gelangen er und seine Geschwister schließlich in unterschiedlichen Heimen. Wie es seinen Geschwistern ergeht erfährt man leider nicht genauer. Man kann nur hoffen, dass sie ein besseres Schicksal ereilt hat. 
Mich hat es zunächst überrascht, dass der Film so stark vom Buch abweicht und diesen Teil fast gänzlich weglässt, aber dennoch passt es meiner Meinung nach sehr gut. Durch die unterschiedlichen Schwerpunkte ist es im Film möglich noch mehr auf die Patienten und die Euthanasie einzugehen. Aber auch die schwierige Rolle der Kirche zur damaligen Zeit wird durch Schwester Sophia gut mit erzählt. Zugleich erhält man durch das Buch weitere Hintergrundinformationen. 
Einen Kritikpunkt habe ich aber leider doch. Der Film war zeitweise ein wenig zu langatmig gestaltet und die ein oder andere Szene weniger wäre ganz gut gewesen. Besonders die Freundschaft zu Nandl und die gemeinsamen nächtlichen Ausflüge haben mir nicht so gut gefallen, da sie für mich oftmals unglaubwürdig waren. Wenn Kinder nachts auf dem Gelände der Anstalt herum schleichen können, warum können sie dann nicht auch da fliehen? Das habe ich nicht so recht verstehen können.
Ernst Lossa und seine Geschichte gab es damals wirklich, genauso wie die Anstalten in Kaufbeuren und Irsee. Wegen Abweichungen bzgl. der historischen Vorlage wurden im Film einige Namen und Orte abgeändert. Im Buch werden die Personen soweit möglich alle mit ihrem wirklichen Namen genannt. Namen von Personen, die aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes oder solche, die nicht klar recherchierbar waren, wurden im Buch gekennzeichnet. 
Für den Film wurden keine Kosten und Mühen gescheut wie es heisst und gespielt werden die Hauptrollen von Ivo Pietzker als Ernst Lossa und Sebastian Koch als den Klinikleiter Dr. Veithausen. In den weiteren Rollen sind Thomas Schubert, Fritzi Haberlandt, Henriette Confurius sowie David Bennent zu sehen.
Der Film "Nebel im August" hat sogar dieses Jahr den nationalen Friedenspreis des Deutschen Films - Die Brücke gewonnen.


"Nebel im August" überzeugt sowohl als Buch als auch als Film und dies ohne sich dabei diverser Nazi-Klischees zu bedienen. Man spürt sehr deutlich wie viel Arbeit Robert Domes in seine Recherchen gesteckt hat. Trotz unterschiedlicher Schwerpunkte konnten mich sowohl Buch als auch der Film überzeugen. Ich kann "Nebel im August" allen empfehlen, die sich mit diesem traurigen Stück deutscher Geschichte näher befassen möchten. 

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