Samstag, 17. Oktober 2020

[Rezension] Als die Welt stehen blieb

© btb-verlag.de

Bestsellerautorin Maja Lunde führt uns zurück in jene ersten Tage der Pandemie, als die ganze Welt für einen Moment stehen blieb. Tage, die uns erschüttert haben und noch immer erschüttern. Die tiefe Risse hinterlassen haben in dem Glauben an unsere Unverletzbarkeit. 

Das Jahr 2020 ist wohl für jeden von uns schwierig und wir alle sind mit besonderen und ungewohnten Situationen und Problemen konfrontiert. Maja Lunde nimmt uns mit ihrem Buch mit, und gewährt einen Einblick in den Alltag ihrer Familie zu Beginn des Ausbruchs von Covid19. Wie in ihrer Familie wird es wohl auch in vielen anderen Haushalten gewesen sein. 

Unsicherheit, die plötzliche permanente Nähe zueinander, kein Raum für sich selbst. Die bedrückende Angst vor dem Ungewissen, Angst wie man sich verhalten und mit der Situation umgehen soll. Mit einem Schlag hat sich das Leben auf dramatische Art und Weise für jeden von uns geändert.

Die Autorin lässt den Leser hier tief blicken, in ihre Erinnerungen, Gedankenwelt und emotionale Ausbrücke. Aber sie beschäftigt sich auch mit dem Menschsein, was unsere Beziehungen ausmachen, der Kontakt und das Füreinander da sein. Denn jeder von uns ist auf andere angewiesen, in solchen Zeiten mehr noch als sonst. 

Der Lockdown und alles was noch folgen wird, betrifft uns alle und niemand kann die Augen davor schließen. Mir hat Maja Lunde in vielen Momenten aus der Seele gesprochen, z.b. als es darum ging wie es wohl all denen geht, die im Lockdown alleine zu Hause sitzen und niemanden in ihrer Nähe haben. Das ist ein anderes Extrem zu dem ständigen aufeinander Sitzen und war für mich definitiv eine schwere Zeit. 


"Als die Welt stehen blieb" ist ein Roman der nachhallt, der zum Nachdenken anregt und gleichzeitig auch ein wenig Mut macht. 



Freitag, 16. Oktober 2020

[Kurz-Rezension] Neue Irre! Wir behandeln die Falschen

© kösel-verlag.de

Donald Trump in den USA, Kim Jong-un in Nordkorea, Jair Bolsonaro in Brasilien, weltweit scheint der Irrsinn zuzunehmen. Was vor 10 Jahren, als Manfred Lütz seinen fast eine Million mal verkauften Bestseller >>Irre<< schreib, noch eher Promis aus der zweiten Reihe betraf, hat es jetzt in die Chefsessel dieser Welt geschafft. Der Irrsinn hat die Macht übernommen. Was sagt der Psychiater dazu?
Aber auch Psychiatrie und Psychotherapie haben weitere Fortschritte gemacht. >>Neue Irre!<< bringt den aktuellen Stand der Wissenschaft: Alle Psycho-Diagnosen, alle Psycho-Therapien auf unter 200 Seiten und das in bewährt kurzweiliger und allgemein verständlicher Form. Was ist Depression wirklich, was sind Angststörungen, was ist Schizophrenie, was tut man gegen Sucht, vor allem gegen die neuen Süchte und schließlich: Ist Burnout out?

Das Hauptanliegen des Autors ist es mit allgemeinen, gesellschaftlichen Fehldiagnosen im Bezug auf psychische Krankheiten aufzuräumen. Dabei liefert einen kurzen und verständlichen Überblick über die verschiedenen Krankheiten, der Symptome, Ursachen und Verlauf. Auch auf die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten wird kurz eingangen. 

Manfred Lütz spickt seine Erläuterungen mit allerhand Beispielen aus seinem Praxisalltag. Die Fallbeispiele helfen oftmals, die verschiedenen Formen einer Krankheit besser nachvollziehen zu können, denn nicht jeder Schizophrene oder Depressive ist gleich. Vielmehr muss bei jeder Diagnose der Patient im Vordergrund stehen und es gibt kein Allgemeinrezept, dass bei jedem funktioniert. Hier sind eine gute Beziehung zwischen Therapeut/Arzt und Patient eine wichtige Vorraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung. 

Ich habe allerdings auch ein paar Kritikpunkte anzumerken. Psychopharmaka werden von dem Autor geradezu in den Himmel gelobt und eine kritische Betrachtung fehlt vollständig. Auch stimme ich nicht mit allen Punkten mit dem Autor überein, was das Thema Religion und Esoterik betrifft. Beides kann nicht wissenschaftlich belegt werden, während allerdings Esoterik deswegen als kompletter Unsinn abgetan wird, nimmt Herr Lütz Religionen ernst. Seine Argumentation hier ist nicht schlüssig und wirkt viel mehr aus der Luft gegriffen. 


Wer sich einen kurzen Überblick über psychische Krankheiten verschaffen will, ist mit diesem Buch gut beraten. Mir persönlich war es stellenweise etwas zu ironisch in der Darstellung, aber Geschmäcker sind ja verschieden. 







Donnerstag, 15. Oktober 2020

Top Ten Thursday


10 Bücher, die Feuer oder Wasser auf dem Cover haben