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Sonntag, 2. Januar 2022

[Rezension] Waggon vierter Klasse

 

© cbt-verlag.de


Sommer 1948: Die 16-jährige Martha ist aus Ostpreußen nach Bayern geflüchtet. Mit ihrem Vater wohnt sie in einem ausrangierten Bahnwaggon am Rand des Dorfes.
Um den Waggon ranken sich Gerüchte, vor allem um seinen früheren Bewohner Alois Roth. Der Mann ist in der Nazizeit spurlos verschwunden. Martha beginnt nachzufragen. Aber im Ort möchte niemand darüber sprechen. Es gibt Dinge, die sollte man besser ruhen lassen, heiß es nur. Doch Martha lässt sich nicht beirren. Sie will die Wahrheit herausfinden, auch wenn sie wehtut. 

Bereits mit seinem vorheringen Roman "Nebel im August" hat Autor Robert Domes mich sehr berührt. Es ist doch noch einmal etwas ganz anderes, wenn man über Schicksale der NS-Zeit erfährt, die nicht irgendwo, sondern vor der eigenen Haustüre passiert sind. Und auch dieses Mal spielt der Roman im Allgäu der damaligen Zeit. 

Martha ist zusammen mit einem Teil der Familie vor den Russen geflohen und kommt schließlich in Obergünzburg, einem kleinen Dorf mit 2000 Einwohnern an. Die Mutter ist mit den beiden jüngsten Brüdern noch in der Heimat geblieben. Da es mehr Flüchtlinge als Platz gibt, landet die kleine Familie außerhalb des Dorfes in einem ausrangierten Bahnwaggon und lebt dort mehr schlecht als recht. Als Martha erfährt, dass bereits vor ihnen jemand hier gelebt hat, wird sie neugierig. 

In einem zweiten Handlungsstrang, der rund 40 Jahre vorher beginnt, lernt man Alois Roth kennen, einen aufgeweckten und schlauen Jungen aus Obergünzburg. Eben jener, der einmal selbst in dem Waggon vierter Klasse leben wird. Ich habe mir öfter gedacht, dass Alois Roth so viele Chancen gehabt hätte, wäre er nur in einer anderen Zeit geboren worden. 

Beide Erzählstränge haben mich gefesselt und dafür gesorgt, dass ich das Buch nahezu auf einen Rutsch ausgelesen habe. Das Leben der Mensch war damals sehr hart und heutzutage kann man das ganze Ausmaß kaum erfassen. Es hat mich sehr berührt die beiden Schicksale zu verfolgen und man spürt, wie viel Liebe und Detail Robert Domes in den Roman gesteckt hat. 



"Waggon vierter Klasse" hat mich sehr ergriffen, denn man spürt hautnah wie sehr die Menschen damals kämpfen mussten. Robert Domes hat erneut ein großesartiges Werk über ein wichtiges Stück Zeitgeschichte geschrieben. 





Sonntag, 6. November 2016

[Buch vs. Film] Nebel im August




Hey meine Lieben, 

heute habe ich für euch meinen ersten Beitrag zu einer neuen Kategorie auf meinem Blog "Buch vs. Film". Vor kurzem habe ich in der Schule den Film "Nebel im August" besprochen und dann auch angesehen und mir privat im Nachhinein noch das Buch geholt und gelesen. Als eingefleischter Bücherwurm bin ich bei Buchverfilmungen meistens sehr skeptisch, aber hier wurde ich doch sehr positiv überrascht. 





Deutschland, 1933: Ernst Lossa stammt aus einer Familie von Jenischen, >>Zigeuner<<, wie man damals sagte. Er gilt als schwieriges Kind, wird von Heim zu Heim geschoben, bis er schließlich - obgleich völlig gesund - in die psychiatrische Anstalt Kaufbeuren eingewiesen wird. Hier nimmt sein Leben die letzte, schreckliche Wendung: In der Nacht zum 9. August 1944 bekommt er die Todesspritze verabreicht. Ernst Lossa wird mit dem Stempel >>asozialer Psychopath<< als >>unwertes Leben<< aus dem Weg geräumt. 


Im Film wird vorrangig die Zeit behandelt, in der Ernst in der psychiatrischen Anstalt Kaufbeuren und später Irsee eingewiesen wird. Im Vordergrund steht dabei das Euthanasieprogramm innerhalb der Anstalt und wie das Personal und auch die Patienten mit diesem umgegangen sind. Patienten, deren Leben man als "unwert" erachtete wurden zur damaligen Zeit entweder langsam über deine spezielle Diät getötet oder aber durch Spritzen oder Kinder auch mittels vergiftetem Himbeersaft den sie zum Einschlafen bekamen. Der Film, aber auch das Buch zeigen sehr schön auf, wie ein Teil des Personals versucht sich gegen diese grausamen Vorgänge zu wehren, während andere Angestellte voll und ganz von der Euthanasie überzeugt sind. 
Im Vergleich zum Film behandelt das Buch auch die Zeit bevor Ernst in die vielen Heime und später auch Anstalten eingewiesen wurde. Man lernt seine Familie und deren Herkunft und Probleme kennen. Zudem erfährt man im Buch sehr genau wieso Ernst überhaupt in Heime/Anstalten eingeliefert wurde, denn eigentlich ist er ja ein gesunder Junge. In seinen ersten Jahren ist er oft mit der Familie unterwegs, da sie Jenische also Zigeuner sind. Dies wird jedoch von den Beamten damals nicht gerne gesehen und wirft zudem einige Probleme mit den Behörden auf. Daher gelangen er und seine Geschwister schließlich in unterschiedlichen Heimen. Wie es seinen Geschwistern ergeht erfährt man leider nicht genauer. Man kann nur hoffen, dass sie ein besseres Schicksal ereilt hat. 
Mich hat es zunächst überrascht, dass der Film so stark vom Buch abweicht und diesen Teil fast gänzlich weglässt, aber dennoch passt es meiner Meinung nach sehr gut. Durch die unterschiedlichen Schwerpunkte ist es im Film möglich noch mehr auf die Patienten und die Euthanasie einzugehen. Aber auch die schwierige Rolle der Kirche zur damaligen Zeit wird durch Schwester Sophia gut mit erzählt. Zugleich erhält man durch das Buch weitere Hintergrundinformationen. 
Einen Kritikpunkt habe ich aber leider doch. Der Film war zeitweise ein wenig zu langatmig gestaltet und die ein oder andere Szene weniger wäre ganz gut gewesen. Besonders die Freundschaft zu Nandl und die gemeinsamen nächtlichen Ausflüge haben mir nicht so gut gefallen, da sie für mich oftmals unglaubwürdig waren. Wenn Kinder nachts auf dem Gelände der Anstalt herum schleichen können, warum können sie dann nicht auch da fliehen? Das habe ich nicht so recht verstehen können.
Ernst Lossa und seine Geschichte gab es damals wirklich, genauso wie die Anstalten in Kaufbeuren und Irsee. Wegen Abweichungen bzgl. der historischen Vorlage wurden im Film einige Namen und Orte abgeändert. Im Buch werden die Personen soweit möglich alle mit ihrem wirklichen Namen genannt. Namen von Personen, die aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes oder solche, die nicht klar recherchierbar waren, wurden im Buch gekennzeichnet. 
Für den Film wurden keine Kosten und Mühen gescheut wie es heisst und gespielt werden die Hauptrollen von Ivo Pietzker als Ernst Lossa und Sebastian Koch als den Klinikleiter Dr. Veithausen. In den weiteren Rollen sind Thomas Schubert, Fritzi Haberlandt, Henriette Confurius sowie David Bennent zu sehen.
Der Film "Nebel im August" hat sogar dieses Jahr den nationalen Friedenspreis des Deutschen Films - Die Brücke gewonnen.


"Nebel im August" überzeugt sowohl als Buch als auch als Film und dies ohne sich dabei diverser Nazi-Klischees zu bedienen. Man spürt sehr deutlich wie viel Arbeit Robert Domes in seine Recherchen gesteckt hat. Trotz unterschiedlicher Schwerpunkte konnten mich sowohl Buch als auch der Film überzeugen. Ich kann "Nebel im August" allen empfehlen, die sich mit diesem traurigen Stück deutscher Geschichte näher befassen möchten. 

Sonntag, 23. Oktober 2016

[Rezension] Nebel im August

© Quellenangabe:  
https://www.randomhouse.de/Verlag/cbj-Jugendbuecher/16000.rhd


Deutschland, 1933: Ernst Lossa stammt aus einer Familie von von Jenischen, >>Zigeuner>>, wie man damals sagte. Er gilt als schwieriges Kind, wird von Heim zu Heim geschoben, bis er schließlich - obgleich völlig gesund - in die psychiatrische Anstalt Kaufbeuren eingewiesen wird. Hier nimmt sein Leben die letzte, schreckliche Wendung: In der Nacht zum 9. August 1944 bekommt er die Todesspritze verabreicht. Ernst Lossa wird mit dem Stempel >>asozialer Psychopath<< als >>unwertes Leben<< aus dem Weg geräumt. 



Da sich meine Schule ebenfalls in Kaufbeuren befindet haben wir im Unterricht mit unserem Pädagogik- und Deutschlehrer den Film gemeinsam im Kino angesehen und besprochen. Für das Buch hatten wir im Unterricht leider keine Zeit, daher wollte ich es gerne privat für mich einmal lesen.
Am Anfang der Geschichte lernt man Ernst und seine Familie kennen und erfährt schließlich auch die Hintergründe weshalb er ins Heim kommt. Im Laufe der Jahre wird Ernst schließlich von einem Heim ins andere geschoben und die Zustände, welche man dort miterlebt sind teilweise einfach nur schockierend. Nicht nur Ernst, auch viele andere Kinder, vor allem jene welche eine nicht erforschte Krankheit oder eine Behinderung hatten, wurden regelrecht ermordet, da sie nicht normal waren. Sie waren nicht "nützlich" und konnten nicht Arbeit, weshalb sie als Last angesehen wurden, die entsorgt werden musste. Mich hat es sehr mitgenommen mitzuerleben, dass die Patienten sehr wohl wussten was vor sich ging, wie beispielsweise beim Himbeersaft oder den grauen Bussen, sie aber nur hilflos zusehen und nichts unternehmen konnten. 
Robert Domes hat hier wirklich außerordentliche Recherchearbeit geleistet und das wird im Buch auch mehrfach deutlich. Ebenso empfinde ich es sehr positiv, dass es am Ende des Buches ein kleines Lexikon gibt, in dem man alle im Buch verwendeten Begriffe (welche heute nicht mehr üblich sind, z.b. Jenische) nachschlagen kann. Auch wird zu Beginn kurz erklärt welche Namen historisch belegt und welche frei erfunden sind. Ebenfalls am Anfang enthalten ist auch ein Porträt des echten Ernst Lossa. 
Als besonderes Highlight findet der Leser in der Mitte des Buches zudem noch einige Bilder aus dem Film enthalten. Diese werden ebenfalls ausführlich mit kleinen Bildunterschriften erklärt. 
Der Tod von Ernst Lossa steht hier stellvertretend für alle Menschen die zur damaligen Zeit getötet wurden, da man der Ansicht gewesen ist, sie seien nicht lebenswert. Mich hat dieses Buch sehr nachdenklich gemacht und ich habe noch lange nach dem Lesen immer wieder an einige Inhalte denken müssen. Da ich selbst Kaufbeuren kenne hatte ich außerdem sofort die Bilder im Kopf, da es die Psychiatrie heute noch gibt. Man muss sofort daran denken, wie es wohl damals für Ernst gewesen sein muss dort gewesen zu sein, auf dem Gelände, in dem Gebäude mit den vielen anderen unschuldigen Kindern und Patienten. 


Robert Domes ist es dank herausragender Recherchearbeiten gelungen ein wirklich großartiges Werk zu schaffen. Ich kann das Buch all jenen ans Herz legen, die sich mit dieser scheußlichen Zeit der deutschen Geschichte beschäftigen wollen und bereit sind sich auf das Thema einzulassen. Es hinterlässt einen schockiert und nachdenklich, aber es lohnt sich definitiv das Buch zu lesen.