Montag, 9. März 2020

[Rezension] Vardo

© diana-verlag.de

Vardo, Norwegen am Weihnachtsabend 1617. Maren sieht einen plötzlichen, heftigen Sturm über dem Meer aufziehen. Vierzig Fischer, darunter ihr Vater und Bruder, zerschellen an den Felsen. Alle Männer der Insel sind ausgeschlöscht - und die Frauen von Vardo bleiben allein zurück. 
Drei Jahre später setzt ein unheilvoller Mann seinen Fuß auf die abgelegene Insel. In Schottland hat Absalom Cornet Hexen verbrannt, jetzt soll er auf Vardo für Ordnung sorgen. Ihn begleitet seine junge Ehefrau. Ursa findet die Autorität ihres Mannes aufregend und hat zugleich Angst davor. Auf Vardo begegnet sie Maren und erkennt in ihr etwas, das sie so noch nie zuvor erlebt hat: eine unabhängige Frau. Doch für Absalom ist Vardo nur eins - eine Insel, die von Gott verlassen wurde und die er von teuflischer Sünde befreien muss.


Die Frauen sitzen zu Hause bei der Hausarbeit, kümmern sich um die Tiere und flicken Segel, knüpfen Netze usw. als der Himmel sich mehr und mehr verdunkelt und ein plötziches Unwetter aufzieht. Beunruhigt blicken sie aus dem Fenster aufs Meer hinaus und was sie dort sehen werden sie ihr Leben lang nicht mehr vergessen können. Binnen Sekunden versinken die Boote ihrer Männer und Söhne im Meer und verschlingen ihre Liebsten für immer. 
Diesen Schicksalsschlag mit den Frauen erleben zu müssen war wirklich schlimm und ich möchte mir gar nicht ausmalen wie es ihnen damals ergangen sein muss. Mit viel Mühe, Fleiß und Zusammenhalt versuchen die Frauen den Verlust ihrer Männer aufzufangen und ihr weiteres Leben auf Vardo zu sichern. 

Maren lebt seit dem Sturm allein mit ihrer Mutter in ihrer Hütte, sowie die meisten Frauen ihres Dorfes sind sie Christen. Die Verlobte ihres Verstorbenen Bruders wohnt gleich nebenan ist allerdings eine gläubige Sami. Die Samen haben Schamanen, glauben an Zauber und Rituale und stehen daher in starken Gegensatz zu dem Dekret über Hexerei und Zauberei, dass erlassen wird. 

Nur drei Jahre nach dem Unglück reist Absalom Cornet gemeinsam mit seiner frisch Angetrauten nach Vardo. Er ist streng gläubiger Christ und sein oberstes Ziel ist es jegliche Hexerei und Zauberei aus diesem Teil der Welt zu verbannen und die Schuldigen auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen. 

Es kommt zu zunehmenden Spannungen innerhalb der Gemeinschaft und die Bewohner des Dorfes scheinen sich in zwei Lager zu spalten. Dabei erleben wir die Geschichte aus der Perspektive von Maren und Ursa, Absaloms Frau. Letzere muss sich erst an das einfache, ärmliche und oft erbarmungslose Leben auf Vardo gewöhnen und ist sehr dankbar für Marens Hilfe. Sie wird ihr Anker und ein Lichtblick in ihrem neuen Leben. 

Kiran Millwood Hargrave erzählt in einer eindringlichen und düsteren Atmosphäre von dem Leben der Frauen und ihrem schweren Schicksalsschlag. Verschiedenen Prozesse sind historisch belegt und insgesamt merkt man deutlich wie viel Herzblut die Autorin in ihre Recherchen gesteckt hat. Obwohl das Thema Hexenprozesse für mich kein Neuland ist, hat mich die Geschichte erschüttert und wütend gemacht. Oft konnte ich einfach nur den Kopf schütteln angesichts der Gräueltaten die hier passieren. In unserer heutigen Zeit mag man sich gar nicht mehr vorstellen, dass so etwas wirklich passiert ist.
Auf der einen Seite erleben wir die Hexenjäger, die alles in ihrer Macht stehende tun um die Gesetze gegen Hexen erbarmungslos durchsetzen. Keiner kann mehr irgendjemandem trauen und die Atmosphäre ist drückend und gefahrenvoll. Auf der anderen Seite, sind da die kleinen Momente der Liebe und Hoffnung, die einen glauben lassen möchten, dass es irgendwann wieder gute Tage in Vardo geben wird.

Die Autorin verknüpft in "Vardo" das historisch belegte Unwetter von 1617 mit fiktiven Ereignissen und Personen zu einer überaus dramatischen, spannenden und auch berührenden Geschichte.  Ich bin beeindruckt und hätte gerne noch viel länger weitergelesen!




Kommentare:

  1. Hallo,

    das Buch ist mir in der Vorschau schon direkt ins Auge gesprungen; der Klappentext sprach mich sehr an. Diese Rezension bestärkt mich darin, das Buch lesen zu wollen! :-)

    LG,
    Mikka
    wordpress.mikkaliest.de

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    1. Hi Mikka,

      freut mich sehr, dass dir meine Rezension zu einer Entscheidun weiterhelfen konnte. Ich liebe das Buch abgöttisch und kann dir nur ans Herz legen es zu kaufen!!

      LG
      Bettina

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